»Auf springt der Tod…« – Kurzinhalt

„Über sein Leben ist leider weiter nichts bekannt” – so hieß es in einem Verzeichnis des literarischen Werkes des jung verstorbenen expressionistischen Dichters Wilhelm Runge (1894-1918), der wie so viele junge Künstler seiner Generation im Großen Krieg den Tod fand. Runges Gedichtband Das Denken träumt war von jeher sehr beliebt und unter Kennern ein Geheimtip. Dank eines glücklichen Zufalls wurde in den letzten Jahren über Runges Leben Näheres bekannt, als in den Niederlanden ein bis dahin unbekannter Briefwechsel zwischen ihm und der jungen jüdischen, 1892 in Amsterdam geborenen Dichterin Sophie van Leer aufgefunden wurde. Wilhelm Runge und Sophie van Leer hatten einen intensiven Briefkontakt und waren beide mit Herwarth Walden und seinem Sturm aufs engste verbunden. Überdies war Sophie van Leer die Verlobte des expressionistischen Malers und späteren Bauhauskünstlers Georg Muche, der in beider Leben eine bedeutende Rolle spielte. Mit der Herausgabe dieses Briefwechsels wird dem Leser gründlichen Einblick gewährt in die Schicksale der Briefpartner, in den Sturm-Kreis und nicht an letzter Stelle in die ästhetischen und ethisch-religiösen Fragen einer Generation, deren Leben und Denken in erschütternder Weise von Kriegsdrohung und Krieg überschattet wurde. Die Verbundenheit beider Briefpartner sollte schließlich münden in den radikalen Entschluss, sich – inspiriert von Tolstoi, Meister Eckhart, Lao Tse und Mazdanan mehr als von der traditionellen Theologie – völlig der Religion zuzuwenden. Für Runge bedeutete es letztendlich Abschied vom Leben, Sophie van Leer führte der Entschluss in das selbsterwählte Einsiedlerleben, in Pazifismus und Revolution und zu guter Letzt in die Mystik des katholischen Glaubens.

Bron: website K&N